Unsicherheiten im Kreditmanagement

Die ökonomischen Auswirkungen der Pandemie sind nach wie vor nicht konkret vorhersehbar. In den Nachrichten finden sich Prognosen, die kurze Zeit später korrigiert werden müssen, und die Politik folgt mit ihren Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Virus dem Infektionsgeschehen. Solange die Impfquote nicht deutlich gestiegen ist und parallel dazu eine durchdachte Teststrategie greift, wird das auch erstmal so bleiben. Das bedeutet für viele betroffene Unternehmen: Es gibt keine langfristige Planungsmöglichkeit.

Doch wie schon während der gesamten Krise sind bestimmte Branchen und Regionen schwer betroffen - und andere eher weniger. Zudem kommt es darauf an, wie zukunftsfähig das Geschäftsmodell eines einzelnen Unternehmens ist. Für das Kreditmanagement bedeutet das: Genau hinsehen und diese Aspekte in Entscheidungen einbeziehen.

Pleitewelle - wann denn nun?

Schon im Frühjahr letzten Jahres wurde für den Herbst 2020 eine Pleitewelle prognostiziert. Im Spätsommer dann wurde in den Medien von einer verschobenen Pleitewelle auf den Winter bzw. die ersten beiden Quartale 2021 gesprochen. Und nun sieht es ganz danach aus, als würde sich das Ganze bis zur Zeit nach der Bundestagswahl verschieben - oder wird es vielleicht gar keine Insolvenzwelle geben, sondern nur "eine erhöhte Anzahl an Firmenpleiten"? Das zumindest geht aus einer jüngsten Regierungsantwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion hervor, wie die Wirtschaftswoche am 7.3.2021 berichtete.

Der Grund sind die staatlichen Hilfsmaßnahmen, insbesondere die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht. Diese unterstützen Unternehmen dabei, durch die Krise zu kommen. Diese Maßnahmen, die teilweise mehrfach verlängert (wenn auch in angepasster Version) wurden, führten in Summe dazu, dass die Zahl der Insolvenzen lt. Creditreform von 18.830 in 2019 auf 16.300 in 2020 gesunken ist. Das ist der niedrigste Stand seit der Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999.

Ende Februar berichtete Spiegel Online mit Bezugnahme auf eine Studie des "Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung" (ZEW), dass sich die aufgrund der staatlichen Hilfsmaßnahmen unterdrückten Insolvenzen auf 25.000 belaufen. Diese Unternehmen hätten bis zum 31.12.2020 aufgrund von Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung Insolvenz anmelden müssen. Zum Vergleich: Seit 2017 lägen die Insolvenzen bei unter 20.000 pro Jahr.

Die Zahl der Insolvenzen bietet somit derzeit kein zuverlässiges Abbild für die echte wirtschaftliche Lage.

Muss schon bald die Notbremse gezogen werden?

Die Ergebnisse der letzten Ministerkonferenz Anfang März 2021 stoßen auf viel Kritik seitens der Ökonomien, wie das Handelsblatt am 4.3. schrieb. Aus ihrer Sicht, so schrieb die Zeitung, werden weder das Impftempo noch die Verfügbarkeit von Schnelltests ausreichend schnell vorangetrieben werden können, so dass die Notbremse in Form eines erneuten, sofortigen Lockdowns bei einer Inzidenz von 100 schneller gezogen werden müsse als die Minister dies wahrhaben wollen würden. Für die Konjunktur sei das wenig hilfreich.

Die Planungslage für Unternehmerinnen und Unternehmer bleibt also hochgradig unsicher.

Im Kreditmanagement ist ein scharfer Blick gefragt

Für Kreditmanagerinnen und Kreditmanager heißt das: Wie schon seit Beginn der Pandemie muss eine hohe Wachsamkeit an den Tag gelegt werden. Es ist wichtig, ganz genau und individuell auf die Lager der eigenen Geschäftspartner zu blicken: Welcher Branche gehört das Unternehmen an? Wie ist die finanzielle Lage und wie wird sich die Liquidität entwickeln? Für exportorientierte Unternehmen ist auch der Blick auf die Länderrisiken von Bedeutung. Und zu guter Letzt stellt sich die Frage, wie zukunftsfähig das Geschäftsmodell des eigenen Kunden (oder Lieferanten) wohl ist.

Branchenratings wichtiges Kriterium in der Pandemie

Die Berücksichtigung der Branche im Rating von Unternehmen bietet direkte Ansatzpunkte für Maßnahmen im Kreditrisikomanagement, wie z B. das Anpassen von Limiten oder auch die Adaption von Ratings. Doch auch abteilungsübergreifend ergeben sich Vorteile. So bieten sich für den Vertrieb z. B. interessante Auswertungsmöglichkeiten zur Steuerung der Akquisitionstätigkeit, zur Gestaltung der Preispolitik oder auch zur Aushandlung der passenden Zahlungsbedingungen. Auf der Lieferantenseite haben Unternehmen die Möglichkeit, die Supply Chain besser im Blick zu behalten und Störungen der Lieferkette besser vorherzusehen.

Liquiditätsprognose mit Hilfe der Bilanzanalyse

Die durchgesetzten Beschränkungsmaßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus haben Einfluss auf die einzelnen Bilanzpositionen von Unternehmen. So erleiden Unternehmen beispielsweise Umsatzeinbußen aufgrund geschlossener Ladengeschäfte, reduzieren ihren Personalaufwand, indem sie Kurzarbeitergeld beantragen, oder können Aufträge wegen fehlender Rohstoffe und Waren nicht bedienen.

Die Auswirkungen der Beschränkungsmaßnahmen auf die Liquidität und das Bilanzrating können mit entsprechenden Bilanzanalyse-Tools simuliert und Vorjahresbilanzen oder aktuelle BWA fortgeschrieben werden. Damit wird ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung von Geschäftspartnern gewährt und Unternehmen können umgehend auf auf drohende Zahlungsausfälle oder Lieferengpässe reagieren.

Effizientes Forderungsmanagement sichert eigene Liquidität

Ein möglichst automatisiertes und dennoch flexibles Forderungsmanagement ist ein wichtiger Baustein in einem gut funktionierenden Kreditmanagement von Unternehmen - nicht erst seit der Pandemie. Doch aktuell, und insbesondere vor dem Hintergrund der evtl. anstehenden Insolvenzwelle, kommt dem Umgang mit ausstehenden Rechnungen eine besondere Bedeutung zu.

Effizientes, erfolgreiches und gleichzeitig kundenorientiertes Forderungsmanagement kann nur durch die Digitalisierung von Prozessen im Forderungsmanagement gelingen. Flexible IT-Lösungen unterstützen dabei, Kunden individuell zu betreuen, dabei gleichzeitig Arbeitszeit einzusparen und dadurch Zeit für besonders komplexe Fälle zu gewinnen.

Die Semcoglas Holding GmbH nutzt seit Jahren die Softwarelösung CAM Industry & Trade, mit der es ihr gelang, das Kredit- und Forderungsmanagement für alle Standorte zentral und digital abzubilden. Dadurch erreichte das Unternehmen eine erhebliche Reduktion der Forderungsausfälle und eine Verkürzung der Außenstandsdauer (DSO) um 50%. Wie genau das gelang? Das berichtete Semcoglas selbst auf unserer SCHUMANN Konferenz 2020. In unserem Portal können Sie sich den Vortrag ansehen!

Kontaktieren Sie uns

Sprechen Sie uns an und erzählen Sie uns von Ihren Herausforderungen. Gemeinsam finden wir die beste Lösung. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!

info@prof-schumann-analyse.de +49 (0) 551 383 15-0